Garantierte Anerkennung der Übersetzung bei Behörden: Nur mit Beglaubigung durch einen in Deutschland beeidigten Übersetzer

+++ Update August 2017: Die Botschaft hat nunmehr die Datenbank der beeidigten Übersetzer verlinkt. +++

Die Beeidigung / Ermächtigung eines Übersetzers erfolgt an einem deutschen Gericht. Der Grund dafür ist das spezielle deutsche System der beglaubigten Übersetzung, demzufolge nur Übersetzer die Richtigkeit einer Übersetzung bestätigen dürfen, die von einem deutschen Gericht beeidigt wurden.

Auf der Website der diplomatischen Vertretungen (deutsche Botschaft / Generalkonsulat) in Japan wird jedoch eine Liste von elf Übersetzungsbüros angeführt, welche angeblich in der Lage sind, beglaubigte Übersetzungen für deutsche Behörden anzufertigen. Die Wahrheit ist, dass nur vier davon wirklich für die Beglaubigung von Übersetzungen und zum Führen eines Stempels qualifiziert sind, weil sie von einem deutschen Gericht beeidigt wurden (> Listenpunkt „In Deutschland öffentlich bestellte und beeidigte Übersetzer“ ). Das heißt, die Übersetzungen von diesen vieren können Sie direkt in Deutschland einreichen. Bei den Übersetzungen der übrigen sieben erklären die Vertretungen eine Bescheinigung mit Abstempelung durch sie selbst für erforderlich, was mit einem umständlichen (Originale müssen persönlich zur Botschaft gebracht werden) und kostenpflichtigen (25 Euro) Prozess verbunden ist. Dazu wird in der deutschen Sprachfassung bemerkt: „Eine Garantie für die Akzeptanz solcher Übersetzungen kann nicht gegeben werden.“

Was die Botschaft verschweigt, aus was für Gründen auch immer, ist die Tatsache, dass es sehr wohl eine garantiert sichere Methode gibt, eine gültige beglaubigte Übersetzung für deutsche Behörden zu bekommen, nämlich indem man die offizielle Datenbank der beeidigten Übersetzer konsultiert, in welcher sämtliche Übersetzer aufgeführt sind, die von einem deutschen Gericht beeidigt wurden und die zur Erstellung von gültigen beglaubigten Übersetzungen qualifiziert sind. In der Kombination Japanisch-Deutsch sind das ca. 100 Personen. Die Kunden haben also die Möglichkeit, nicht nur zwischen vier qualifizierten Kollegen – bzw. sieben weiteren unqualifizierten – in Japan zu wählen, sondern zusätzlich zwischen ca. 100 offiziell beeidigten Übersetzern, die größtenteils in Deutschland ansässig sind.

Noch extremer wird die Desinformation in der japanischen Sprachversion betrieben, wo gar nicht mehr von „beeidigten Übersetzern“ die Rede ist, sondern wo dem japanischen Publikum, das vom deutschen Beeidigungswesen in der Regel nichts weiß, suggeriert wird, der Weg über die botschaftseigene Liste sei die einzige Möglichkeit, an eine beglaubigte Übersetzung zu gelangen. (Eindeutige Handlungsanweisung für die Japaner: „Wenn Sie eine beglaubigte Übersetzung benötigen, gehen Sie bitte wie folgt vor: Schritt 1 > Wenden Sie sich an einen Übersetzer von unserer Liste, Schritt 2 > Falls der Übersetzer die Beglaubigungsqualifikation innerhalb Deutschlands besitzt, kann er die Beglaubigung selbst vornehmen. Falls nicht, ist der Beglaubigungsprozess durch die Botschaft / das Konsulat notwendig.)

Über das Motiv für diese Politik der Desinformation und des Verschweigens der offiziellen Datenbank kann man nur rätseln. Es scheint, als wolle die Botschaft durch das Propagieren ihrer eigenen Liste den darin aufgeführten Übersetzern einen Vorteil verschaffen, was nach „Kumpelwirtschaft“ riecht, da sie offensichtlich ihren mehrheitlich unqualifizierten „Kumpeln“ massenweise Aufträge zuschieben will. Außerdem sind die Kriterien für die Aufnahme in die Liste völlig undurchsichtig, Hauptkriterium scheint „Wohnort Japan“ zu sein. Von einer unbeeidigten Kollegin erfuhr ich, sie habe die Aufnahme in die Liste geschafft, weil sie der Botschaft persönlich bekannt sei. Durch dieses fragwürdige Auswahlkriterium wird jedoch nur der Verdacht der Kumpelwirtschaft bestätigt, denn was ist „Bekanntschaft“ bitte für ein Qualifikationsmerkmal? (Es wäre echt traurig, wenn es der Botschaft um die 25 Euro gehen sollte, die sie für jede Abstempelung einkassiert.)

Da die Botschaft genau weiß, dass die von unbeeidigten Übersetzern erstellten Übersetzungen in den meisten Fällen in Deutschland eben nicht anerkannt werden und die Leute ins offene Messer laufen lässt, weil diese Ihre Unterlagen hier neu übersetzen lassen müssen, wird man den Eindruck von „kriminellen Machenschaften“ nicht los.

In der Tat hat sich im Gespräch mit drei Anwälten unabhängig voneinander ergeben: „Ja, es liegt eindeutig ein Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht von seiten der Botschaft vor, aber ich werde Sie nicht vertreten, denn wenn man dagegen vorgehen wollte, müsste man ja die Bundesrepublik Deutschland verklagen, das ist mir eine Nummer zu groß…“ Auch die Wettbewerbszentrale hat sich vor geraumer Zeit des Falles angenommen, konnte aber bislang nichts ausrichten.

Die Behauptung der Botschaft, die von ihr ausgestellten Übersetzungen würden „von den meisten deutschen Behörden (u.a. dem Standesamt I und der Senatsverwaltung für Justiz in Berlin) akzeptiert“, muss man als glatte Lüge bezeichnen. Ich merke es an der Zahl der Aufträge, die bei mir landen, nachdem die Botschaftsübersetzungen nicht anerkannt wurden. Jeder kann dies auch selbst verifizieren, indem er bei einem beliebigen Standesamt anruft und fragt, was passiert, wenn Übersetzungen vorgelegt werden, die mit einem Botschaftsstempel versehen sind.

Ich habe mich beim Leiter des Standesamts I in Berlin erkundigt, warum seine Behörde derartige Übersetzungen anerkennt. Seine schriftliche Antwort lautete zusammengefasst: „Wieso sollen wir die nicht anerkennen? Wir machen das schon immer so. Ich weiß auch nicht, warum die anderen Standesämter es anders handhaben.“ Das Standesamt I tut es also aus Gewohnheit, aber daraus Behauptungen über „die meisten deutschen Behörden“ abzuleiten, dazu gehört schon einiges an krimineller Energie. (Bei der Senatsverwaltung für Justiz in Berlin habe ich mich nicht erkundigt, kann aber bestätigen, dass diese auch in anderer Hinsicht von ihrem Ermessensspielraum großzügigen Gebrauch macht, indem sie nämlich zurückliegende Scheidungen aus Japan in bestimmten Fällen nicht anerkennt, so dass geschiedene Kunden, die das Pech haben, in deren Zuständigkeitsbereich zu fallen, Schwierigkeiten haben, ihre Ehefähigkeit für neue Eheschließungen nachzuweisen.)

Die Übersetzerliste der deutschen Botschaft scheint übrigens eine sehr bekannte und gut besuchte Seite zu sein, denn ich bekomme ständig von Japanern und deutschen Bekannten, die in Japan leben, ungefragt den Tipp, mich doch um Aufnahme in diese ominöse Liste zu kümmern. Für die Japaner gibt es logischerweise zunächst keinen Grund, an den Aussagen der hochehrwürdigen Botschaft zu zweifeln, und sie sind wohl für die ausführlichen Handlungsanweisungen dankbar, die angeblich nötig sind, um eine „beglaubigte“ Übersetzung zu bekommen.

Warum diesem Treiben so schwer beizukommen ist, das habe ich noch nicht herausgefunden. Ob es nur daran liegt, dass es sich um eine Bundesbehörde (= die BRD) handelt, gegen die man vorgehen müsste, oder ob es etwas mit dem Standort im Ausland zu tun hat, vermag ich nicht zu sagen. Es ist jedoch offensichtlich, dass die Botschaft fernab der Heimat seit der Kaiserzeit gewissermaßen ein Eigenleben entwickelt hat, dass sie ihr eigenes Beglaubigungsregime errichtet hat und meint, sich nicht an geltendes Recht halten zu müssen. Dazu passt auch, dass sie sich anmaßt, in der japanischen Sprachversion die in ihrer eigens aufgestellten Liste aufgeführten Übersetzer als „von uns zugelassen“ zu bezeichnen (大使館または総領事館が認定している翻訳事務所に翻訳を依頼してください), als ob es in ihrer Macht läge, irgendetwas oder irgendjemanden „zuzulassen“, wodurch die japanischen Kunden noch umso mehr genötigt werden, auf diese Liste als vermeintlich einzige Möglichkeit zurückzugreifen.

Von einem deutschen Konsul in Japan erhielt ich die Auskunft, dass die Botschaft keine namentliche Empfehlung von Übersetzern aussprechen darf. Nun, diese Vorschrift ist für die Katz, denn eine namentliche Auflistung von einigen wenigen Übersetzern auf der Website einer offiziellen Vertretung zählt wohl nicht als Empfehlung? Meinem laienhaften Verständnis nach handelt es sich um eine Körperschaft, die sich wie alle juristischen und natürlichen Personen an geltendes Recht halten muss, und da es eine deutsche Behörde ist, eben an deutsches Recht. Sie befindet sich zwar im Ausland, aber japanisches Recht dürfte doch wohl kaum tangiert werden.

Zumal es sich um eine Behörde handelt, und nicht um ein gewinnorientiertes Unternehmen bzw. um irgendeine Art Wettbewerber, mit dem ich konkurrieren müsste. Für mich sind es – aus unternehmerischer Sicht – ein paar Hanseln, die sich einbilden, beim Geschäft mit beglaubigten Übersetzungen [nach deutschem System] mitmischen zu können. (Kommentar am Rande: Wenn hierzulande eine unbeeidigte Person einen Stempel unter eine Übersetzung setzt mit der Bemerkung, sie könne aber nicht für die Anerkennung beim Amt garantieren, dann hätte sie ganz schnell eine Anzeige wegen arglistiger Täuschung, eine Abmahnung / Unterlassungserklärung o. ä. am Hals.)

Demzufolge müsste sich jemand der Sache annehmen und der Botschaft einmal verdeutlichen, dass ihr „Service“ nur darin besteht, das Publikum aufzuklären und welche Aussage nur noch auf der Website erlaubt ist, etwa: „Wenn Sie beglaubigte Übersetzungen für deutsche Behörden benötigen, führt der Weg über die Liste der in Deutschland beeidigten Übersetzer.“

Anleitung zur Benutzung der offiziellen Datenbank in japanischer Sprache:
http://doitsugo-ninshou-honyaku.com/instructions-for-translators-database

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